Der Wiederaufstieg Chinas von einer alten, exotischen Kultur hin zu einer der angesagtesten, modernen Infrastruktur

Schanghai (über dem Meer), so die Adresse dieser website, ist der deutsche Name für Shanghai.

Die Deutschen haben China Kolonialisten und im Zweiten Weltkrieg ein paar Nazischergen beschert. 20 000 vor den deutschen Faschisten geflüchtete Juden strandeten in Shanghai. Ihnen hat man im ,Restricted Sector for Stateless Refugees', trotz gleichzeitiger, brutaler Unterdrückung durch die Japaner, 1938-1949 Unterschlupf gewährt. Es gab in Shanghai zudem britische, französische und US-amerikanische Besatzer, eine komplexe, unübersichtliche Situation. Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede verhinderten den Chinesinnen die faschistische Katastrophe für die Jüdinnen im Kontext genauer einzuordnen. Viele Einwohnerinnen Shanghais waren selber arg gebeutelt und halfen soweit möglich, aus purer Menschlichkeit. Heute erinnert ein kleines Museum (Jewish Refugees Museum, Hongkou District) an diese Episode. Zuflucht in Shanghai - The Port of Last Resort dokumentiert diese hier weitgehend unbekannten Fakten (Film von Joan Grossman und Paul Rosdy, Musik bei John Zorn) etwas genauer. Shanghai war weltweit die Stadt, welche während des Holocausts am meisten jüdische Leben gerettet hat.

China ist für viele ein ,Buch mit 7 Siegeln', doch so wird es kaum bleiben. Der Globale Süden zählt 80 Prozent der Weltbevölkerung. Zur G77 zählen 134 Staaten, China inklusive. Sie werfen dem Westen, insbesondere der G7 Doppelmoral vor. 

Die Kolonialisten aus Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, USA (mit Kanada wären es exakt alle G7 Staaten) nahmen sich auch in China, wie es sich für Kolonialisten gehört, anmassend was sie brauchten. Dinge sind jedoch nie nur schwarz oder weiss. So brachten die Deutschen das gleichnamige Bier nach Tsingtao, welches ganz passabel schmeckt und noch heute zu kaufen ist. Deutsche Missionare versuchten die Chinesinnen zum Christentum zu bekehren.

Missionare waren oft nicht sehr fromme Männer, viele schauten vor allem für ihre eigenen Bedürfnisse und liessen es sich in den unwirtlichen Gegenden gut gehen, soweit das möglich war. 

Natürlich gab es viele löbliche Ausnahmen, so auch in China.

Ein deutscher, evangelischer Missionar, Richard Wilhelm (1873-1930), war von der Chinesischen Kultur und den Menschen derart fasziniert und angetan, dass er anstatt in China mit Missionieren zu beginnen die Chinesische Sprache sowie die Chinesischen Philosophen studierte. Als Sinologe übersetzte er im Laufe der Jahre wichtige Chinesische Bücher ins Deutsche.

Mit Hilfe Chinesischer Gelehrter suchte er möglichst originale Texte. Die Chinesische Sprache denkt etwas anders als wir es gewohnt sind, alte Chinesische Philosophen sind ohnehin schwierig zu deuten. Deshalb übersetzte er die Texte zur Kontrolle nochmals vom Deutschen zurück ins Chinesische. Wo es Abweichungen gab, verbesserte er, wiederum mit Hilfe seiner gelehrten Chinesischen Freunde, die definitive Fassung.

Wir Schweizer als neutrales Handelsvolk waren ebenfalls in China. Nestlé lancierte zum Beispiel schon früh den Pulverkaffee, welcher in den fürchterlichen Wirren unter Mao dann doch nicht Fuss fassen konnte. Kein grosser Verlust, Pulverkaffee ist eine Beleidigung sowohl für den Kaffee wie auch für den Gaumen. Inzwischen hat die Kaffeekultur und Vielfalt an Cafés in China so richtig zugeschlagen. Shanghai war 2022 weltweit die Stadt mit am meisten Cafés pro Einwohner.